Steinhaus, Steindorf am Ossiacher See, 1986–2008 (Bauzeit)

GÜNTHER DOMENIG

© Foto: Gerhard Maurer, 2022

Günther Domenig beginnt mit ersten Ideenskizzen für ein Haus am von der Großmutter geerbten Grundstück am Ossiacher See unmittelbar nach dem Bau der Z­-Sparkasse. Programmatisch entwickelt sich das Gebäude von der Seeseite aus, beginnend mit einem Steg, der entlang eines Weges in eine Rampe übergeht, die wiederum den Anfang des Gebäudes markiert. Entlang dieses Weges ist auch die Veränderung von Domenigs Formensprache ablesbar: Ist der Steg noch organisch an das Motiv der Hand angelehnt und erinnert an die Z­Sparkasse, so ist das Haus selbst eine geometrische Figur, wenn auch – und das ist die Konstante in Domenigs Architektur – der räumliche Grundgedanke der Gebäude gleich ist. Beide stehen für den Versuch, eine dynamische Raumstruktur zu erzeugen, die im Sinne von Friedrich Kieslers Endless House“ eine unendliche Bewegung durch diese Körper ermöglicht.

Das Steinhaus stellt eine semantische Transformation dar (wie schon der Name selbst sagt): Es ist die Übersetzung natürlicher Steinformationen und eines anonymen landwirtschaftlichen Gebäudes in ein expressives, autonomes Gebilde.

Genauso ist das Gebäude aber auch die Transformation eines Landschaftsmotivs: Die schroffen Gebirgsformationen des Mölltals, in dem Domenig aufgewachsen ist, schreiben sich der Landschaft am Ossiacher See ein.

Das Steinhaus ist, vereinfacht gesagt, ein fünfstöckiges Gebäude mit über 700 m² Nutzfläche, das aus zahlreichen, in unregelmäßigem Zusammenspiel ineinander verkeilten und verschobenen Beton- Glas- und Stahlblöcken zusammengesetzt ist. Wie nach einem Felssturz scheinen die Blöcke auf- und übereinander zu liegen und eine scheinbar zufällige Raumfiguration zu ergeben.

Bei genauerer Betrachtung beginnt sich allerdings eine Ordnung herzustellen: Das Steinhaus besteht aus zwei keilförmigen Bauteilen, die durch eine schmale und tiefe Schlucht“ in einen Ostund einen Westteil getrennt sind. Den Ostteil bestimmen der aus Stahl und Edelstahl bestehende Oststein“ und der nach Norden ausgerichtete Arsch mit Huckepack“, zwei übereinander hängende Betonblöcke.

Der Westteil besteht aus einem Körper, der im Norden von den Schwebesteinen“ – mit Stahlblech verkleideten Volumen, die sich balkonartig zum See hin öffnen – bekrönt wird.

In der Mitte der Schlucht“ im zweiten Untergeschoss und somit im Zentrum des Steinhauses befindet sich der Spiralraum“. Ein unter dem Grundwasserspiegel liegender Ort mit kreisförmigem Grundriss, welcher über eine spiralförmige Treppe erschlossen ist.

Hier definiert ein zylindrischer Brunnen aus Glas das Zentrum des Gebäudes.

Als ob das Wasser die harten Kanten der Betonblöcke geschliffen hätte, ist dies tatsächlich der einzige von Rundungen bestimmte Raum im Steinhaus. Hier, wo das Wasser wie in einem Schrein für den Nukleus alles Lebens steht, wird der sakrale Charakter des Gebäudes vielleicht am deutlichsten.

Objekte

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Günther Domenig (ist) im Gespräch: Peter Noever und Andrea Schurian
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25.08.2022 Museum Moderner Kunst Kärnten Andrea Schurian und Peter Noever im Gespräch Im Gespräch wird von den beiden Gesprächspartnerinnen die Relevanz Günther Domenigs für die Architekturentwicklung in Österreich besprochen und zugleich der Versuch unternommen eine internationale Verortung vorz…
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Das Steinhaus ist das schicksalhafte Stück Architektur eines Architekten, der nun damit leben muss, das Unbewusste als konkretes Bild vor Augen zu haben.” 
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So gesehen ist das Steinhaus auch ein Intensiv-Zelt, das Rettendes, Beschützendes, Nomadisches, inklusive in der Umgebung ablaufender Camping-Rituale, an einen zufälligen, von der Herkunft diktierten Ort binden will. Wegwollen, mit allen seinen Fluchtkomponenten, soll sich erübrigen.“
—Christian Reder, Kultursoziologe
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Das STEINHAUS ist ein eigenwilliger Baukörper, der einen dynamischen Puls erzeugt. Die äußeren Wände, die Außenhaut des Hauses, atmen. Günther Domenig sah seine Architekturen nicht als abgeschlossene Systeme, sondern als durchlässige Texturen. So definiere ich auch menschliche Körper.“ 
—Doris Uhlich, Choreografin
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